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Artikel von René Ronse

Immobilien-Transaktionsbetrug: Zahlungsumleitung per E-Mail – so vermeiden Sie sie

Aktualisiert am 14 Januar 2026.

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E-Mail-Korrespondenz und Bankunterlagen auf einem SchreibtischEine Immobilie zu kaufen oder zu verkaufen bedeutet oft schnelle E-Mail-Wechsel, sensible Dokumente und Überweisungen hoher Beträge. Betrüger wissen das: Sie versuchen, sich in die Kommunikation einzuschleusen, indem sie sich als Profi ausgeben (Notar, Immobilienmakler, Anwalt, Bauträger), um Sie dazu zu bringen, auf ein betrügerisches Bankkonto zu zahlen. Die Falle ist besonders tückisch, weil sie wie ein normaler Schritt im Vorgang wirkt – und genau dann kommt, wenn Druck und Zeitnot steigen. Den Mechanismus zu verstehen und ein paar einfache Regeln anzuwenden, reicht in den meisten Fällen aus, um einen größeren finanziellen Verlust zu vermeiden.

Worum geht es genau?

Bei der Zahlungsumleitung per E-Mail im Rahmen einer Immobilientransaktion werden Sie dazu gebracht, Geld an den falschen Empfänger zu überweisen, indem echte Bankverbindungen durch gefälschte Kontodaten ersetzt werden. Diese Masche wird manchmal als „Betrug mit gefälschten Bankdaten“ oder als „IBAN-Änderungsbetrug“ beschrieben, doch das Prinzip bleibt gleich: Das Opfer glaubt, einen realen Beteiligten des Vorgangs zu bezahlen, überweist die Summe jedoch auf ein Konto, das von Betrügern kontrolliert wird. Solche Angriffe gehören oft zu Methoden der Identitätsnachahmung oder E-Mail-Kompromittierung, bei denen der Anschein von Normalität als wichtigste Waffe eingesetzt wird. Im Immobilienbereich zielt die Betrugsmasche typischerweise auf eine Anzahlung, eine Treuhandeinlage, eine Zahlungsaufforderung oder den Endbetrag – genau in dem Moment, in dem man denkt, man müsse „abschließen“ und nicht „misstrauen“.

Warum Immobilien ein bevorzugtes Ziel sind

Immobilientransaktionen vereinen drei Zutaten, die Betrug begünstigen: hohe Summen, enge Fristen und viele Beteiligte. Je mehr Nachrichten, Dokumententransfers und Kreuzkommunikation ein Vorgang umfasst, desto leichter lässt sich Verwirrung darüber erzeugen, „wer was verlangt“ und „welches Konto zu verwenden ist“. Hinzu kommt ein menschlicher Faktor: Viele Menschen kaufen oder verkaufen nur selten im Leben eine Immobilie und haben keine feste Routine zur Überprüfung. Betrüger nutzen diese Unerfahrenheit aus – ebenso wie die Vorstellung, dass „wenn es administrativ wirkt, es zwangsläufig verlässlich ist“.

In der Praxis lebt die Masche auch vom Tempo eines Vorgangs: Besichtigungen, Kaufvertrag, Finanzierung, Notartermin, Beurkundung, Versicherungen, Bankfristen. Wenn ein Termin näher rückt, wirkt eine Zahlungsaufforderung, die „im richtigen Moment“ kommt, ganz natürlich – vor allem, wenn sie die richtigen Namen und Referenzen enthält. Genau deshalb sollte man die Zahlungsphase als eigenen, besonders sensiblen Moment betrachten, mit spezifischen Kontrollen, selbst wenn der restliche Ablauf zuvor reibungslos war.

Wie sich die Masche in einem Vorgang konkret zeigt

Die Szenarien ähneln sich: Eine E-Mail teilt mit, dass für die Begleichung einer Summe im Zusammenhang mit dem Verkauf bestimmte Bankdaten zu verwenden seien – manchmal mit einem Anhang, der als offizielles Dokument präsentiert wird. Die Nachricht kann sehr kurz, sehr neutral und perfekt formuliert sein, weil es nicht darum geht, mit großen Reden zu überzeugen, sondern eine „automatische“ Handlung auszulösen. Manche Betrüger schleusen sich sogar in einen bestehenden E-Mail-Thread ein, wenn ein Konto kompromittiert wurde – das verstärkt den Eindruck von Legitimität.

Das Wichtigste, das man behalten sollte: Die E-Mail muss nicht „komisch“ wirken. In vielen Fällen gibt es weder grobe Fehler noch einen aggressiven Ton noch absurde Versprechen. Der Angriff ist prozedural: Er präsentiert sich als normaler Schritt in Ihrem Vorgang. Deshalb ist der richtige Reflex nicht, den Stil zu analysieren, sondern die Quelle über einen unabhängigen Kanal zu verifizieren.

Der „Kontowechsel“ in letzter Minute

Das ist die bekannteste Variante: Sie erhalten eine E-Mail, in der steht, dass sich die Bankverbindung geändert habe – oft mit einer plausiblen Begründung (Update, Umstellung, vorheriger Fehler, neues Treuhandkonto, „temporäres Konto“). Die Nachricht nennt manchmal echte Details aus dem Vorgang, um Vertrauen zu erzeugen: Adresse der Immobilie, Name des Verkäufers, interne Referenzen, Datum des Termins. In manchen Fällen ist ein sehr glaubwürdiges PDF angehängt, mit einem administrativen Layout, das wie eine Standardanweisung wirkt.

Die „Korrektur“ eines bereits erhaltenen Empfängers

Hier hat das Opfer die IBAN schon früher gesehen, was eigentlich schützen könnte. Betrüger umgehen diese Hürde, indem sie behaupten, das erste Dokument sei nicht mehr gültig, oder man müsse den Empfänger „korrigieren“, um eine Ablehnung oder Verzögerung zu vermeiden. Diese Variante nutzt einen einfachen psychologischen Mechanismus: Wenn man glaubt, der Fehler liege bei einem selbst (Eingabe, Verwendungszweck, Format), beeilt man sich zu „reparieren“, statt die Anweisung zu prüfen. Sie zielt auch auf Personen, die nicht der Grund für eine Terminverschiebung sein wollen.

Die gefälschte „interne“ Nachricht zwischen Profis

In manchen Vorgängen versendet der Betrüger eine E-Mail, die wie ein intern weitergeleiteter Austausch in Kopie wirkt – als ob Maklerbüro, Notariat oder eine Verwaltungseinheit den Wechsel bestätigt hätte. Ziel ist es, einen künstlichen Konsens zu erzeugen: „Alle sind einverstanden, ich folge nur einem Prozess.“ Mehrere Empfänger oder ein sehr administrativer Ton können paradoxerweise beruhigen, obwohl sie manchmal genutzt werden, um die eigentliche Auffälligkeit zu überdecken: ein Bankkonto, das dort nicht hingehört.

Wie Betrüger es schaffen, sich einzuschleusen

Es gibt zwei Hauptwege: Identitätsnachahmung (so tun, als wäre man ein legitimer Ansprechpartner) und Kompromittierung (tatsächlicher Zugriff auf ein Postfach oder auf den Austausch). Im ersten Fall reichen oft ein ähnlicher Name und eine sehr ähnliche Adresse – besonders, wenn man am Smartphone oder in Eile liest. Im zweiten Fall wird es gefährlicher, weil der Betrüger auf korrekte Informationen zurückgreifen, im passenden Thread antworten und den perfekten Zeitpunkt wählen kann.

Dieser Punkt ist entscheidend: Dass eine Nachricht echte Details enthält, beweist nicht, dass eine Zahlungsanweisung authentisch ist. Ein kompromittiertes Postfach kann eine Signatur, ein Nachrichtenmuster, eine Vorgangsnummer und das gewohnte Layout übernehmen. Genau dieser Realismus senkt die Wachsamkeit. Der Schutz muss deshalb auf einer Regel beruhen, die unabhängig vom Inhalt ist: Jede Bankanweisung muss außerhalb der E-Mail bestätigt werden.

Warnsignale, die Sie vor dem Bezahlen kennen sollten

Die meisten Opfer merken erst im Nachhinein, dass es Hinweise gab – aber sie wirkten in dem Moment nicht stark genug. Das ist normal: Betrüger setzen auf leichte Abweichungen, nicht auf grobe Widersprüche. Eine Änderung der Bankverbindung kann im echten Leben vorkommen, und eine dringende Anfrage kann plausibel sein, wenn ein Termin ansteht. Der richtige Reflex besteht deshalb darin, „Risikosituationen“ zu erkennen und systematisch eine Verifikation auszulösen – selbst wenn die Nachricht glaubwürdig erscheint.

  • Änderung von IBAN/Bankdaten in letzter Minute, besonders kurz vor einem Notartermin oder einer Bankfrist.
  • Ungewöhnlicher Zeitdruck: „heute“, „vor 16 Uhr“, „sonst wird der Verkauf verschoben“.
  • Aufforderung, nicht anzurufen oder „alles per E-Mail zu machen“, angeblich wegen eingeschränkter Erreichbarkeit.
  • E-Mail-Adresse sehr ähnlich, aber anders (ein Zeichen, ein Bindestrich, eine benachbarte Domain).
  • Bankdokument als Anhang, obwohl Sie früher bereits Kontodaten erhalten hatten.

Einfache Regeln, die die meisten Verluste verhindern

Bei dieser Betrugsart ist der beste Schutz ein fester Ablauf, der bei jeder größeren Zahlung gilt. Es geht nicht darum, jedem Profi zu misstrauen, sondern eine Änderung von Bankdaten als Ausnahme zu behandeln, die eine unabhängige Bestätigung erfordert. Wenn Sie von Anfang an eine klare Regel festlegen, reduzieren Sie den Effekt von Zeitdruck stark – denn Sie wissen, was zu tun ist, selbst unter Stress.

Die wirksamste Regel lautet: Niemals eine IBAN-Änderung allein per E-Mail bestätigen. Ein seriöser Profi wird eine Verifikation verstehen, weil solche Betrugsfälle viele Branchen betreffen – nicht nur Immobilien. Konkret heißt das: Rufen Sie über eine Nummer an, die Sie bereits besitzen oder die Sie selbst auf einer offiziellen Quelle nachschlagen, und bestätigen Sie die Bankdaten mündlich, oder verlangen Sie eine Bestätigung über einen bekannten, sicheren Kanal. Dieser einfache Schritt, der nur wenige Minuten dauert, stoppt die meisten Versuche.

Beim Überweisen: Was Sie prüfen sollten (und warum)

Beim Bezahlen konzentriert man sich natürlich auf Betrag, Datum und die Sorge, den Vorgang zu verzögern. Betrüger nutzen diesen Stress: Sie wissen, dass das Opfer schnell „alles richtig machen“ will. Bei einem Betrug mit gefälschten Bankdaten sind Betrag und Kontext häufig stimmig – der einzige Unterschied ist der Empfänger. Das erfordert eine gezielte Wachsamkeit: Die richtige Kontrolle ist nicht „sieht die E-Mail schön aus?“, sondern „stammen diese Bankdaten aus einer unabhängigen Quelle?“.

Wenn Sie eine IBAN eingeben müssen, behandeln Sie das als eigenen Schritt – ohne Eile. Wenn man Sie drängt, betrachten Sie das als Risikosignal, nicht als Anweisung. Und wenn Ihnen etwas unangenehm auffällt, ohne dass Sie es erklären können: Stoppen Sie und prüfen Sie. Betrüger gewinnen vor allem dann, wenn das Opfer nicht wagt, „zu stören“ oder „den Vorgang zu verlangsamen“.

Was tun, wenn Sie einen Versuch vermuten?

Sobald ein Zweifel auftaucht, bleiben Sie nicht in dem verdächtigen E-Mail-Austausch. Wenn das Postfach eines Ansprechpartners kompromittiert ist, bedeutet „weiter per E-Mail diskutieren“ möglicherweise, mit dem Betrüger zu sprechen. Der richtige Reflex ist, auf einen unabhängigen Kanal zu wechseln: Telefonat, Termin vor Ort oder Kontakt über eine offizielle Seite. Informieren Sie auch den betroffenen Profi, denn ein Versuch kann mehrere Parteien im Vorgang betreffen – und weitere Zahlungen könnten gerade vorbereitet werden.

  • Rufen Sie den Notar, das Maklerbüro oder den Profi über eine offizielle Nummer an und lassen Sie sich die Bankdaten eindeutig bestätigen.
  • Klicken Sie nicht auf neue Links und öffnen Sie keine neuen Anhänge, die mit dieser Zahlungsaufforderung zusammenhängen.
  • Bewahren Sie Nachrichten, Anhänge und Zeitpunkte auf, denn das hilft beim Melden und Dokumentieren des Betrugs.

Wenn die Überweisung bereits raus ist: sofort handeln

Wenn eine Überweisung auf ein betrügerisches Konto gegangen ist, ist Schnelligkeit entscheidend. Gelder können sehr schnell weitergeleitet werden, wodurch die Chancen auf Rückholung sinken. Das heißt nicht, dass man in Panik geraten muss – aber man sollte in der richtigen Reihenfolge handeln, mit konkreten Schritten. Der erste Ansprechpartner bleibt Ihre Bank: Je nach Ausführungsstatus kann sie einen Rückruf veranlassen oder ein passendes Verfahren zur Anfechtung bei Betrug einleiten.

Danach ist es wichtig, den Profi im Vorgang zu informieren (Notar, Anwalt, Makler, Bauträger), um den weiteren Ablauf zu sichern. Ein Betrug kann auch auf eine E-Mail-Kompromittierung hindeuten: Dann sollte verhindert werden, dass weitere Bankanweisungen ohne Kontrolle kursieren. Schließlich helfen Meldungen an offizielle Stellen dabei, passende Hinweise zu erhalten und die Situation zu formalisieren.

  • Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank und bitten Sie um Rückruf/Rückholung der Überweisung sowie die Eröffnung eines Betrugsfalls.
  • Informieren Sie Notar/Anwalt/Makler, um die Transaktion abzusichern und weitere Zahlungen auf falsche Bankdaten zu verhindern.
  • In Deutschland: Orientierung und Hinweise über das BSI (DE), Strafanzeige/Online-Meldung über die Onlinewache der Polizei (DE), und Beschwerden je nach Kontext über die Verbraucherzentrale (DE).
  • In Deutschland: Präventionsinformationen u. a. über das Bundesministerium des Innern (DE).
  • In Deutschland: weitere Einstiegsseiten und Links über die Onlinewachen der Polizeien (DE).

Warum eine „perfekte“ E-Mail kein Beweis ist

Viele Opfer sagen im Nachhinein, „alles wirkte normal“. Genau darin liegt die Stärke dieser Betrugsart: Sie stützt sich auf echte Elemente und eine administrative Anmutung. Eine kopierte Signatur, ein identisches Layout oder ein professioneller Ton beweisen nicht die Identität des Absenders. Wenn ein E-Mail-Konto kompromittiert wurde, kann der Betrüger sogar im gewohnten Thread antworten – das neutralisiert eines der beruhigendsten Indizien.

Der einzige wirklich hilfreiche Beleg bei einer Zahlungsanweisung ist die Bestätigung über einen unabhängigen Kanal. Das ist eine einfache Regel, aber sie verhindert, in die Falle „es sieht aus wie immer“ zu tappen. Im Immobilienbereich, wo es um hohe Summen geht, ist diese Disziplin eine sinnvolle Absicherung.

Einfache Checkliste für Käufer und Verkäufer

Eine Immobilientransaktion ist ohnehin komplex genug: Ziel ist deshalb eine kurze Checkliste, die ohne großen Aufwand funktioniert – besonders, wenn man unter Zeitdruck steht. Wenn Sie diese Punkte als nicht verhandelbare Regeln anwenden, reduzieren Sie das Risiko deutlich, überrascht zu werden. Diese Checkliste ist bewusst allgemein gehalten, damit sie unabhängig von Land oder beteiligtem Profi gültig bleibt.

  • Legen Sie von Anfang an fest, wie Sie Bankdaten bestätigen (Anruf über offizielle Kontaktdaten, Termin vor Ort oder bekannter sicherer Kanal).
  • Lehnen Sie jede Änderung von IBAN/Bankdaten ab, die „nur per E-Mail“ bestätigt werden soll – selbst wenn die Nachricht von einem gewohnten Ansprechpartner zu kommen scheint.
  • Wenn man Sie unter Druck setzt, stoppen Sie und prüfen Sie: Zeitdruck ist ein klassischer Hebel zur Manipulation.
  • Vermeiden Sie es, E-Mails mit Bankdaten mehrfach weiterzuleiten: Je weniger Kopien, desto kleiner die Angriffsfläche.

Fazit

Die Zahlungsumleitung per E-Mail im Immobilienbereich ist kein „plumper“ Betrug, sondern eine Vertrauensmasche, die sich in einen realen Vorgang einfügt – genau im sensibelsten Moment: beim Bezahlen. Der Schutz beruht auf wenigen stabilen Regeln, vor allem auf der Bestätigung einer Änderung von Bankdaten über einen unabhängigen Kanal sowie darauf, unter Druck nicht zu handeln. Im Zweifel ist es besser, zu verlangsamen und zu bestätigen, als „Zeit zu gewinnen“ und eine große Summe zu verlieren. Und wenn eine Überweisung bereits ausgeführt wurde, besteht die Priorität nicht darin, per E-Mail weiter zu diskutieren, sondern die Bank sofort zu kontaktieren und den Vorfall über offizielle Wege zu melden.


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